Sieben Tipps, wie Sie Konflikte aus der Welt schaffen

„Menschen, die miteinander zu schaffen haben, machen sich irgendwann zu schaffen.“ Friedemann Schulz von Thun bringt es auf den Punkt: Konflikte sind menschlich. Selten sind sie gewünscht, oft zermürbend und meist mit guten Vorsätzen verbunden, sie möglichst rasch und konstruktiv aus der Welt zu schaffen. Wäre das doch immer so einfach!

Streit beginnt im Kopf

Dabei beginnt der Widerspruch oft schon in uns selbst. Unterschiedliche „Stimmen“ beeinflussen, wie wir denken, fühlen und uns verhalten. Schreit die eine Seite „Das ist unverschämt!“, flüstert es aus der anderen Ecke „Stell dich nicht so an!“ – Kein Wunder, dass manche innere Auseinandersetzung unwillkürlich nach außen schwappt. Wer weiß da immer schon genau, was der Streit mit der Schwester, dem Kollegen oder dem Nachbarn mit einem selbst zu tun hat.

Worüber wir streiten

Schauen wir in die Geschichte, ging es bei Konflikten oft um die „richtige“ Sicht auf die Welt, die „richtige“ Religion oder manchmal schlicht um eine Frau.

Heute streiten Familien über oder am Weihnachtsabend, über den passenden Urlaubsort oder ganz banal, wer den Müll rausbringt oder mit dem Hund Gassi geht.

In Organisationen geht es heiß her, wenn Ressourcen verteilt oder wenn Kollegen unterschiedliche Standpunkte haben. Wer bekommt die ausgeschriebene Stelle oder nach welchen Kriterien werden Personalschlüssel berechnet? Wie eng oder weit sind Abläufe oder Regeln? Was den einen einengt, bietet dem anderen Orientierung.

Besonders schwierig wird es, wenn Konflikte in Unternehmen von oben nach unten weitergereicht werden. Zwischen Kollegen knirscht es, weil sie nicht wissen, wie sie die viele Arbeit aufteilen sollen. Dabei fehlt es an Struktur und Rollenklarheit. Eine Aufgabe der Führung.

Wie Konflikte eskalieren

Konflikte schwelen leise. Am Anfang steht häufig eine Unebenheit, eine scheinbar unbedeutende Meinungsverschiedenheit. Das ist meist nicht weiter schlimm und lässt sich in aller Regel mit Gesprächen lösen.

Dann aber verhaken sich die Diskussionen, die Stimmung wird rauer, das Klima kälter. Spannung liegt in der Luft und löst Unbehagen aus. Stress entsteht. Manchmal lähmende Angst oder auch Wut. Gefühle beginnen das Denken zu beherrschen, der Blick verengt sich, die Fähigkeit, sachlich und klug abzuwägen, lässt immer weiter nach.

Einseitiges Denken und Misstrauen machen sich breit. Und weil diese Mechanismen meist für alle Beteiligten gelten, gerät man zunehmend in eine teuflische Spirale von Argwohn, Respektlosigkeit und im schlimmsten Fall Verachtung. Man verliert die Kontrolle, ist außer sich.

Dynamit im Konflikt

Dahinter stecken fast immer unerfüllte Bedürfnisse. Menschen fühlen sich bedroht, wenn ihre Identität, ihre Werte oder ihre Bedürfnisse nach Anerkennung, Zugehörigkeit oder Gerechtigkeit in Gefahr sind.

Die Seele ist in Not. Das limbische System, genauer die Amygdala, der Sitz der Gefühle im Gehirn, übernimmt das Kommando. Der Zugang zu sachlichem Abwägen ist versperrt. Stress und Angst bestimmen das Verhalten. Wann dieser Moment einsetzt und welche Gefühle besonderen Stress auslösen, ist von Mensch zu Mensch verschieden und hat immer etwas mit frühkindlicher Prägung und Erfahrung zu tun. Je stärker der Mangel war, je verletzlicher ist der Mensch.

Dass das so ist, ist den meisten Menschen nicht bewusst, schon gar nicht im Konflikt. Sie verschanzen sich hinter Standpunkten oder ganz banal hinter Wünschen nach Geld, Prestige, Einfluss oder auch Macht.

Sieben Tipps wie Sie Konflikte aus der Welt schaffen

Diese Mechanismen wirken in allen Konflikten, ganz gleich ob sie in der Familie entstehen, im Freundeskreis, im Sportverein, in Unternehmen oder sogar zwischen Völkern.

Was aber kann man tun, um einen Konflikt zu lösen? Worauf muss man achten, damit eine Meinungsverschiedenheit nicht eskaliert?

1. Holen Sie Luft!
Bevor Sie sagen, was im nächsten Moment aus Ihnen herausbrechen könnte: Atmen Sie tief durch. Gehen Sie kurz aus der Situation. Beruhigen Sie sich zum Beispiel bei einem Spaziergang an der frischen Luft.

2. Antennen an: Was wühlt sie gerade so auf?
Welche Gefühle machen mich so unnachgiebig? Welche Werte sind mir so wichtig, dass ich nicht bereit bin, zu verhandeln? Welche mir wichtigen Bedürfnisse sind gerade verletzt

3. Blickwinkel wechseln
Was beschäftigt die oder den anderen? Welche Werte sind ihr oder ihm wichtig? Wieso fühlt sie oder er sich so bedroht? Wer es schafft, sich in den anderen hineinzuversetzen, versteht mehr und wird milder.

4. Ehrlich darüber sprechen
Äußern Sie, welche Gefühle Sie außerhalb der Sachebene bewegen. Dann wird für den anderen verständlich, was Ihnen wichtig ist und das Gespräch über die Sache wird leichter.

5. Auszeit nehmen
Wenn Sie sich im Streit verhakt haben – schlafen Sie drüber! Oft fühlt sich am nächsten Tag Vieles nicht mehr so dramatisch oder bedrohlich an.

6. Dran bleiben
Reden hilft immer. Wer sich zurückzieht, dauerhauft schweigt oder auf Gesprächsangebote der anderen Seite nicht reagiert, trägt dazu bei, dass der Konflikt „kalt“ weitergeführt wird. Eisiger Frieden entsteht. Unter der Eisschicht jedoch breitet sich Kummer, Frust und Resignation aus.

7. Um Hilfe bitten
Fragen Sie je nachdem einen Freund oder Kollegen, ob ihnen jemand helfen möchte, den Knoten zu lösen. Manchmal hilft es schon, wenn jemand zuhört. Er sollte allerdings möglichst neutral und nicht in den Konflikt verwickelt sein.

Fazit

Ist der Konflikt noch nicht weit fortgeschritten und gelingt es, die eigenen Gefühle, seinen Antrieb und seine Bedürfnisse zu erkennen und auch offen auch mit dem umzugehen, was den anderen bewegt, ist die Chance groß, eine gute Lösung für alle zu finden.

Und Sie? Was tun Sie, wenn’s mal kracht? Teilen Sie Ihre Tipps und Tricks im Kommentar! DANKESCHÖN!

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Wenn Konflikte schwelen, verhärten oder im schlimmsten Fall eskalieren, leidet die Arbeitsqualität und das Wohlbefinden der Menschen auch. Das macht nicht nur schlechte Stimmung: Projekte werden verschleppt, Aufträge verhindert, Kolleg*innen kündigen und Kunden wandern ab. Konflikte kosten Unternehmen also viel Geld. Lesen Sie hier, was sie tun können, bevor Konflikte eskalieren.

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Hier schreibt Katharina Bertulat. Sie berät und unterstützt Menschen und Teams in Unternehmen. Junge Teams in Aufbruchstimmung. Teams in stürmischen Zeiten. Und Teams, wenn plötzlich alles anders ist.

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